Von Samuel Schmid, Gründer von AS Marketing
Hat mit seinem Team seit 2020 über 500 Recruiting-Projekte mit über 700 Einstellungen begleitet.
Mitarbeiter finden in ländlichen Regionen: Wie Betriebe abseits der Städte Fachkräfte gewinnen
In ländlichen Regionen gibt es weniger Fachkräfte, aber auch weniger Betriebe, die um sie konkurrieren. Wer dort Mitarbeiter finden will, darf nicht auf deren Bewerbungen warten, sondern muss die Menschen im Umkreis von ca. 25 bis 40 Kilometern direkt ansprechen, auch die, die gerade nicht suchen. Ein Auftragsfertiger für Nahrungsergänzungsmittel im Nordwesten Brandenburgs, einer der am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands, hat auf diesem Weg 2025-2026 über 290 Bewerbungen und 19 Einstellungen in acht Monaten erreicht. Inzwischen sind es über 30 Einstellungen.
Dieser Artikel zeigt, warum Stellenanzeigen auf dem Land besonders schlecht funktionieren, wie der Radius für die Ansprache gewählt wird, welche Argumente Fachkräfte in ländlichen Regionen zum Wechsel bewegen und welche Ergebnisse realistisch sind.
Warum ist die Mitarbeitersuche auf dem Land schwieriger?
Das erste Problem ist die reine Zahl: In einem Landkreis mit 40 Einwohnern je Quadratkilometer leben im Umkreis von 30 Kilometern um einen Standort rund zehnmal weniger Menschen als um einen Standort in einer Großstadtregion. Entsprechend weniger Elektriker, Maschinenführer oder Fahrer gibt es und ein Teil davon pendelt bereits in die nächste Stadt.
Hinzu kommt die Besetzungsdauer. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit blieben gemeldete Stellen in Handwerksberufen 2025 im Schnitt 242 Tage unbesetzt, über alle Berufe 167 Tage. Laut DIHK‑Fachkräftereport 2025/2026 können 36 Prozent der befragten Unternehmen offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, am häufigsten fehlen dabei Beschäftigte mit dualer Berufsausbildung.
Die Stellenanzeige verschärft das Problem: Sie erreicht nur diejenigen, die gerade auch suchen. Nach der EY‑Jobstudie 2025 sind das etwa 26 Prozent der Arbeitnehmer, weitere 33 Prozent hingegen suchen zwar nicht, wären aber offen für ein passendes Angebot. In einer Region mit wenigen Fachkräften kann ein Betrieb auf dieses Drittel nicht verzichten.
Was haben ländliche Betriebe vorher versucht?
Die Betriebe, mit denen AS Marketing arbeitet, haben vor der direkten Ansprache meist denselben Weg hinter sich: Stellenportale, Tageszeitung, Agentur für Arbeit und manchmal ein Personalvermittler.
Ein ländlicher Betrieb schaltete eine Stelle für einen Bauingenieur sechs Monate lang über ein Multiposting auf mehreren Portalen: 16 Bewerbungen, keine davon passte. Ein Fördertechnik-Betrieb mit rund 24 Mitarbeitern suchte zwei Jahre lang Elektromonteure über Stellenanzeigen und Headhunter, ohne eine Einstellung. Einen Vergleich der Wege bietet unser Fachartikel „Social Recruiting vs. Stellenportal vs. Personalvermittler: Was passt wann?“
Wie gewinnen Betriebe in ländlichen Regionen Mitarbeiter?
1. Den Radius bewusst wählen
Fachkräfte wechseln den Arbeitgeber, aber selten den Wohnort. Bei regionalen Ansprachen von AS Marketing sind 25 bis 40 Kilometer um den Standort der Standard. In dünn besiedelten Regionen wird der Radius an die obere Grenze gelegt. Ein größerer Radius bringt zwar mehr Reichweite, aber auch längere Arbeitswege, die nach der Probezeit oft zu Absagen führen. Entscheidend ist deshalb, was der Betrieb bietet, damit sich der längere Weg lohnt.
2. Die Fachkräfte ansprechen, die nicht suchen
Die Anzeigen laufen dort, wo die Menschen in der Region täglich sind: Instagram und Facebook für Produktionsberufe und LinkedIn für qualifizierte Stellen. Sie werden nach Region, Alter und Interessen ausgespielt, nicht nur an Jobsuchende. Wie das im Einzelnen funktioniert, beschreibt unser Fachartikel Wie finden Industriebetriebe Fachkräfte, die nicht aktiv suchen?
3. Den Betrieb zeigen, nicht die Anforderungen
Auf dem Land kennt man die Betriebe im Umkreis, aber selten von innen. Echte Fotos und Videos aus der Halle mit eigenen Mitarbeitern schaffen Vertrauen und Regionalbezug. Der Auftragsfertiger in Brandenburg setzt auf Videos mit eigenen Mitarbeitern und zeigt Karrierepfade vom Produktionshelfer zum Maschinenführer. Wer anfangs kein eigenes Material hat, kann mit erstellten Bildern starten und echtes Material später nachrüsten; bei einem Stahlbauer brachte eine Stelle im Einkauf mit erstellten Bildern über 20 Bewerbungen und wurde besetzt.
4. Pendelbereitschaft und Wohnort vorab abfragen
Die Bewerbung besteht aus wenigen Fragen am Smartphone: Wohnort, Qualifikation, Führerschein und z. B. Schichtbereitschaft. So sieht der Betrieb vor dem ersten Kontakt, wer für eine Vorauswahl geeignet wäre, im Umkreis wohnt und den Weg täglich fahren kann. Welche Fragen sinnvoll sind, zeigen wir im Fachartikel „Bewerber vorqualifizieren: Welche Kriterien sollte man vor dem Gespräch abfragen?“
5. Schnell antworten
Wer in einer dünn besiedelten Region einen passenden Bewerber hat, hat selten viele. Nach der Bewerberstudie „Candidate Journey“ der Königsteiner Gruppe erwarten 74 Prozent der Bewerber eine Einladung innerhalb von zwei Wochen. Eine Rückmeldung innerhalb von zwei bis drei Tagen ist auf dem Land ein Vorteil gegenüber Betrieben in der Stadt, die mehr Auswahl haben und sich Zeit lassen.
Praxisbeispiel: Auftragsfertiger in einer sehr dünn besiedelten Region
Der Betrieb stellt Nahrungsergänzungsmittel im Auftrag her und liegt im Nordwesten Brandenburgs, in einem der am dünnsten besiedelten Landkreise Deutschlands. Gesucht waren Produktionsmitarbeiter, Betriebselektriker und weitere Positionen. Klassische Maßnahmen hatten bisher jedoch kaum Bewerber gebracht.
Seit Dezember 2023 spricht AS Marketing Fachkräfte für die Produktion im Umkreis von 40 Kilometern mit Videos eigener Mitarbeiter direkt auf Instagram und Facebook an. Qualifizierte Stellen laufen zusätzlich auf LinkedIn. 2024 entstanden daraus in acht Monaten über 290 Bewerbungen und 19 Einstellungen. Die Zusammenarbeit läuft weiter und inzwischen sind es über 30 Einstellungen. Der Betrieb beschreibt das Ergebnis so: Seit zwei Jahren habe er keine Probleme mehr, Mitarbeiter zu finden.
Welche Ergebnisse sind in ländlichen Regionen realistisch?
Nach Erfahrungswerten von AS Marketing aus über 500 Recruiting-Projekten mit über 700 Einstellungen seit 2020 kommen über die Laufzeit einer Ansprache meist 10 bis 30 Bewerbungen je Stelle, bei Fahrern und Lager auch deutlich mehr, bei Meistern und Spezialisten eher 10 bis 15 im Monat. Davon gehen als Größenordnung 20 bis 40 Prozent ins Vorstellungsgespräch. Pro Stelle entstehen in der Regel ein bis zwei Einstellungen, bei laufenden Projekten mit mehreren Stellen entsprechend mehr. Die Zusage erfolgt meist zwei bis acht Wochen nach dem Start, der Arbeitsbeginn wegen Kündigungsfristen oft ein bis drei Monate später.
Auf dem Land liegen die Bewerbungen je Stelle tendenziell am unteren Rand der Spanne, weil der Pool kleiner ist. Das ist kein Nachteil, wenn die Vorqualifizierung dafür sorgt, dass die wenigen Bewerber passen.
Wo stößt die Mitarbeitersuche auf dem Land an Grenzen?
- Zu wenige Fachkräfte im Radius: Für sehr seltene Qualifikationen gibt es im Umkreis von 40 Kilometern manchmal nur eine Handvoll Personen. Dann hilft nur ein Angebot, das einen Umzug rechtfertigt, oder ein Personalvermittler, der bundesweit sucht.
- Angebot unter dem Niveau der nächsten Stadt: Wer weniger zahlt als die Betriebe, zu denen die Fachkräfte heute pendeln, erreicht sie zwar, überzeugt sie aber nicht.
- Keine Erreichbarkeit ohne Auto: Fehlt der Nahverkehr, ist der Führerschein eine harte Voraussetzung, die den Pool weiter verkleinert.
- Auszubildende: Jugendliche aus ländlichen Regionen ziehen für die Ausbildung häufig in die Stadt. Die Ansprache der 16- bis 19-Jährigen funktioniert, braucht aber andere Botschaften als die Fachkräfteansprache.
Häufige Fragen zur Mitarbeitersuche in ländlichen Regionen
Sollte der Radius auf dem Land größer gewählt werden?
Etwas, aber nicht beliebig. 25 bis 40 Kilometer sind der Standard, in dünn besiedelten Regionen eher 40. Darüber hinaus steigt die Zahl der Bewerber, die nach der Probezeit wegen des Arbeitswegs oft wieder gehen.
Lohnt sich die Ansprache, wenn im Umkreis nur wenige Betriebe derselben Branche sind?
Gerade dann. Weniger Wettbewerber um dieselben Fachkräfte bedeuten, dass eine gut gemachte Ansprache in der Region auffällt. Die Potenzialanalyse vor dem Start zeigt, wie viele Betriebe im Umkreis dieselben Berufe suchen.
Wie schnell kommen auf dem Land die ersten Bewerbungen?
Nach Erfahrungswerten von AS Marketing meist in den ersten Tagen, nachdem die Anzeigen laufen, auch in dünn besiedelten Regionen. Welche Zeiträume bis zur Einstellung realistisch sind, zeigt der Fachartikel „Wie lange dauert es, bis Social Recruiting erste Einstellungen bringt?“
Fazit: Auf dem Land entscheidet die Ansprache, nicht die Reichweite
In ländlichen Regionen gibt es weniger Fachkräfte, deshalb reicht es nicht, auf Bewerbungen zu warten. Wer die Menschen im Umkreis von 25 bis 40 Kilometern direkt anspricht, den Betrieb mit echten Bildern zeigt, Wohnort und Pendelbereitschaft vorab abfragt und innerhalb weniger Tage antwortet, gewinnt auch dort Mitarbeiter. Das Beispiel aus Brandenburg zeigt, dass aus einer der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands in acht Monaten 19 Einstellungen entstehen können.
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Erstgespräch
Sie suchen Fachkräfte in einer Region, in der kaum jemand auf Stellenanzeigen reagiert?
AS Marketing spricht für Industrie- und Handwerksbetriebe die passenden Fachkräfte in ihrer Region an und prüft im Erstgespräch, wie viele passende Menschen es in Ihrem Umkreis gibt.
19 Einstellungenin acht Monaten bei einem Betrieb in Brandenburg
25 bis 40 kmRadius, in dem angesprochen wird
2 bis 8 Wochenbis zur ersten Einstellungszusage
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