Von Samuel Schmid, Gründer von AS Marketing
Hat mit seinem Team seit 2020 über 63.000 Entscheider in Industrie und Handwerk angesprochen.
Wie lange dauert es, bis die B2B-Direktansprache neue Aufträge bringt?
Kurz gesagt: Nach Erfahrungswerten von AS Marketing dauert die Vorbereitung etwa zwei Wochen, erste Antworten kommen nach wenigen Tagen und erste konkrete Anfragen meist ab dem zweiten Monat. Wie lange es danach bis zum ersten Auftrag dauert, bestimmt der Beschaffungsprozess des Zielkunden: bei kurzfristigem Bedarf wenige Wochen, bei Investitionsgütern oft sechs bis neun Monate.
Faustregel zum Rückwärtsrechnen: Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt neue Aufträge braucht, sollte rund zwei Wochen Vorbereitung, etwa zwei Monate bis zu ersten Anfragen und danach die Zeit für Angebot, Muster und Freigabe beim Zielkunden einplanen. Rechnerisch ergibt das für die meisten Industriebetriebe einen Vorlauf von mindestens drei bis sechs Monaten. Wer im Herbst Aufträge braucht, sollte also spätestens im Frühjahr beginnen.
Wie schnell es geht, hängt weniger von der Ansprache selbst ab als vom Beschaffungsprozess der Zielkunden: Ein Ersatzteil wird schneller bestellt als eine Sondermaschine und ein Lieferant für Serienteile durchläuft andere Prüfschritte als ein Dienstleister für einen einzelnen Einsatz.
Dieser Artikel zeigt, in welchen Phasen die Neukundengewinnung über Direktansprache abläuft, welche Faktoren die Dauer bestimmen und welche Zeiträume aus der Praxis realistisch sind.
Welche Phasen durchläuft die Neukundengewinnung per Direktansprache?
Zwischen dem Entschluss, neue Kunden gezielt anzusprechen, und dem ersten Auftrag liegen mehrere Schritte. Einige dieser Schritte kann der eigene Betrieb beeinflussen, andere hängen von den Abläufen beim Zielkunden ab.
1. Vorbereitung (etwa zwei Wochen)
Vor der ersten Nachricht stehen die Auswahl der passenden Zielunternehmen, die Recherche der zuständigen Ansprechpartner und die Vorbereitung der Texte und der Technik. Bei AS Marketing dauert diese Phase etwa zwei Wochen.
2. Testphase (erste Wochen)
In den ersten Wochen nach Beginn der Kontaktaufnahme zeigt sich, welche Zielgruppen und Formulierungen Rückmeldungen erzeugen. Erste Antworten gehen meist schon nach wenigen Tagen ein, zunächst häufig als Rückfragen, Absagen oder Bitten um weitere Informationen.
3. Erste Anfragen und Gespräche (ab dem zweiten Monat)
Ab dem zweiten Monat entstehen nach Erfahrungswerten von AS Marketing meist die ersten konkreten Anfragen. Die Ansprache läuft dann bereits so lange, dass sich Muster erkennen lassen: welche Branchen reagieren, welche Rollen antworten und welche Argumente überzeugen.
4. Angebot, Muster und Freigabe (abhängig vom Zielkunden)
Aus einer Anfrage wird selten sofort ein Auftrag: In der Industrie folgen häufig ein Angebot, technische Abstimmungen, Erstmuster und die Aufnahme in die Lieferantenliste. Zu den Erstmustern gehört oft ein Erstmusterprüfbericht (EMPB). In der Automobilindustrie und bei vielen ihrer Zulieferer ist dafür das Verfahren zur Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) nach VDA Band 2 üblich, bei international ausgerichteten Kunden das vergleichbare PPAP-Verfahren. Bei Kunden mit hohen Qualitätsanforderungen kann ein Lieferantenaudit hinzukommen. Wie lange diese Phase dauert, bestimmt fast vollständig der Zielkunde.
5. Erstauftrag und Ausbau
Der erste Auftrag eines neuen Industriekunden ist oft klein. Er dient dazu, Qualität, Termintreue und Zusammenarbeit zu prüfen. In einzelnen Projekten von AS Marketing entstanden erste Aufträge bereits nach zwei bis vier Wochen. Regelmäßige Bestellungen oder Rahmenverträge folgen meist erst danach.
Wie lange dauern die einzelnen Phasen?
| Phase | Typische Dauer | Wer beeinflusst die Dauer? |
|---|---|---|
| 1. Vorbereitung | etwa zwei Wochen | Betrieb und Dienstleister |
| 2. Erste Antworten | nach wenigen Tagen | Zielgruppe und Qualität der Ansprache |
| 3. Erste konkrete Anfragen | meist ab dem zweiten Monat | Zielgruppe, Bedarf beim Empfänger, Reaktionszeit des Betriebs |
| 4. Angebot, Muster und Freigabe | je nach Prüfschritten des Kunden, bei Erstbemusterung und Audit länger | überwiegend der Zielkunde |
| 5. Erster Auftrag | bei kurzfristigem Bedarf nach wenigen Wochen, bei Investitionsgütern oft sechs bis neun Monate | Beschaffungsprozess des Zielkunden |
| Erste Bewertung des Erfolgs | nach etwa drei Monaten | Betrieb und Dienstleister gemeinsam |
Erfahrungswerte von AS Marketing. Die Dauer bei Investitionsgütern beruht auf Angaben von Inhabern aus dem Anlagenbau.
Wovon hängt ab, wie schnell Aufträge entstehen?
Der wichtigste Faktor ist die Art der Leistung: Bei Verbrauchsteilen, Lohnfertigung oder kurzfristig benötigter Kapazität kann ein Zielkunde schnell entscheiden, wenn der Bedarf gerade besteht. Bei Anlagen und Sondermaschinen berichten Inhaber aus dem Anlagenbau von Entscheidungszyklen über sechs bis neun Monate.
Ebenso entscheidend ist der Zeitpunkt beim Empfänger: Ein Unternehmen, das gerade einen Lieferanten verloren hat oder eine neue Produktlinie aufbaut, reagiert anders als eines mit festen Rahmenverträgen. Viele positive Antworten lauten deshalb sinngemäß „aktuell nicht, aber bitte im Herbst wieder melden“.
Auch die Wahl des Ansprechpartners beeinflusst die Dauer. Wer direkt die Person erreicht, bei der der Bedarf entsteht, spart interne Weiterleitungen. Welche Rollen das in Industrieunternehmen typischerweise sind, beschreibt unser Fachartikel „Wer entscheidet bei Industrieaufträgen: Einkauf, Technik oder Geschäftsführung?“.
Schließlich liegt ein Teil der Geschwindigkeit beim eigenen Betrieb: Eine zeitnahe Reaktion auf eingehende Anfragen erhöht die Chancen auf ein weiteres Gespräch. Auch wenn die Angebotserstellung länger dauert, sollte der potenzielle Kunde möglichst schnell eine erste Rückmeldung erhalten.
Welche Zeiträume sind aus der Praxis realistisch?
Die folgenden Beispiele stammen aus Projekten von AS Marketing. Sie zeigen jeweils, welche Ergebnisse nach welcher Zeit vorlagen.
Werkzeugbauer aus Bayern
Im Maschinen- und Anlagenbau wurden rund 350 Entscheider angesprochen, daraus sind rund zehn neue Kunden mit Aufträgen für Kleinserien und Prototypen entstanden. In der aktuellen Runde kamen innerhalb von sechs Wochen zwei weitere Aufträge dazu. Nach dem ersten Jahr hat der Betrieb die Zusammenarbeit verlängert.
Metallbaubetrieb aus Sachsen mit Wasserstrahlschneiden
Allein im ersten Monat der Auslandsansprache kamen zehn Anfragen. Nach sechs Monaten hatten von rund 1.700 angesprochenen Entscheidern in acht Ländern 36 Unternehmen Interesse gemeldet, daraus entstanden Angebote unter anderem nach Norwegen. Anschließend wurde die Ansprache auf sieben weitere Länder ausgeweitet.
Europaweiter Vermieter von Baumaschinen und Staplern
Innerhalb von vier Monaten wurden über 3.000 Entscheider in sechs Ländern angesprochen und 22 Unternehmen meldeten konkretes Interesse. Im selben Zeitraum wurde ein Industriekunde zum Stammkunden, der inzwischen acht Mietaufträge parallel laufen hat, in Frankreich und Spanien. Danach wurde die Ansprache auf drei weitere Länder ausgeweitet.
Systemhersteller für Glasbau und Solar-Unterkonstruktionen aus Oberbayern
In dreieinhalb Monaten wurden rund 1.100 Architekten, Planer und Bauträger angesprochen, 73 davon meldeten konkretes Interesse, darunter Anfragen bis nach Österreich. Der Geschäftsführer führt diese Kontakte mit seinem Vertrieb selbst weiter. Nach drei Monaten hat der Betrieb die Zusammenarbeit mit AS Marketing verlängert und auf seine Solar-Unterkonstruktionen im Ausland erweitert.
Lohnfertiger aus dem Hamburger Umland
Der Betrieb hatte zuvor mit vier Dienstleistern keine neuen Kunden gewonnen. Innerhalb von sechs Wochen wurden rund 1.200 Einkäufer und Geschäftsführer aus Maschinenbau und Energietechnik angesprochen. Über 400 davon besuchten die Website, 15 Unternehmen meldeten Interesse und mehrere nahmen den Betrieb in ihre Lieferantenlisten auf. Inzwischen kommen rund drei neue Kontakte pro Woche dazu.
Die Beispiele zeigen den zeitlichen Abstand zwischen erster Rückmeldung und Auftrag: Anfragen und Aufnahmen in Lieferantenlisten entstehen oft schon in den ersten Wochen, Aufträge und Folgeaufträge je nach Beschaffungsprozess nach Wochen bis Monaten.
Ab wann lässt sich beurteilen, ob sich die Direktansprache lohnt?
Nach etwa drei Monaten lässt sich nach Erfahrung von AS Marketing meist beurteilen, ob die Direktansprache die richtigen Zielgruppen erreicht und relevante Rückmeldungen erzeugt. Ob daraus langfristig profitable Kundenbeziehungen entstehen, zeigt sich bei längeren Beschaffungsprozessen oft erst später.
Für die erste Bewertung sind vor allem die Antwortquote, positive Rückmeldungen, konkrete Anfragen, Angebote und Aufnahmen in Lieferantenlisten relevant. Bezogen auf alle per E-Mail angesprochenen Entscheider liegt die Antwortquote in den meisten Projekten von AS Marketing zwischen 6 und 15 Prozent.
Ob und wann sich die Direktansprache wirtschaftlich rechnet, hängt unter anderem vom Auftragsvolumen, den erzielten Margen und der Dauer des Beschaffungsprozesses ab. Gerade bei Investitionsgütern kann die wirtschaftliche Bewertung deshalb einen längeren Zeitraum erfordern.
Welche Ergebnisse grundsätzlich realistisch sind, erklärt unser Fachartikel „Wie viele Anfragen bringt die B2B‑Direktansprache von Entscheidern und wie schnell?“.
Wann dauert es besonders lange?
Lange Zeiträume sind zu erwarten, wenn die Zielkunden Investitionsentscheidungen treffen, die über Budgets und Gremien laufen, oder wenn neue Lieferanten ein Audit und eine Erstbemusterung durchlaufen müssen. Auch in Branchen mit festen Rahmenverträgen ergibt sich ein Wechsel meist erst, wenn ein bestehender Lieferant ausfällt oder ein neues Projekt beginnt.
Wer ausschließlich über öffentliche Ausschreibungen verkauft, kann den Zeitpunkt kaum beeinflussen, weil das Vergabeverfahren den Ablauf bestimmt.
Häufige Fragen zur Dauer der Neukundengewinnung
Wann muss ich anfangen, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt Aufträge brauche?
Rechnen Sie rückwärts: etwa zwei Wochen Vorbereitung, rund zwei Monate bis zu ersten konkreten Anfragen und danach die Zeit für Angebot, Muster und Freigabe beim Zielkunden. Für die meisten Industriebetriebe ergibt das einen Vorlauf von mindestens drei bis sechs Monaten, bei Investitionsgütern deutlich mehr. Wer im Herbst Aufträge braucht, sollte also spätestens im Frühjahr beginnen und nicht erst, wenn die Auftragsbücher leer werden.
Warum melden sich manche Interessenten erst nach Monaten?
Weil zum Zeitpunkt der Ansprache kein Bedarf bestand. Viele Entscheider speichern einen passenden Anbieter ab und melden sich später, wenn ein Projekt ansteht oder ein bestehender Lieferant nicht liefern kann. Solche späten Anfragen gehören zu den Ergebnissen der Direktansprache, auch wenn sie in keiner Monatsauswertung auftauchen.
Lässt sich der Prozess beschleunigen?
Teilweise. Eine genau definierte Zielgruppe, die Ansprache der Person, bei der der Bedarf entsteht, und schnelle Reaktionen auf Anfragen verkürzen die Zeit bis zum ersten Gespräch. Die Prüfschritte beim Zielkunden, etwa Erstmusterprüfbericht und Lieferantenfreigabe, lassen sich von außen kaum beschleunigen.
Sollte man die Direktansprache nach drei Monaten ohne Auftrag beenden?
Das hängt davon ab, was die ersten drei Monate gezeigt haben. Gibt es Antworten, Anfragen und Angebote, aber noch keinen Abschluss, liegt das bei langen Beschaffungsprozessen oft am Zeitpunkt. Bleiben Antworten weitgehend aus, sollten Zielgruppe und Ansprache grundsätzlich überprüft werden.
Fazit: Anfragen kommen nach Wochen, Aufträge oft nach Monaten
Die B2B-Direktansprache bringt erste Rückmeldungen meist schnell, konkrete Anfragen nach Erfahrungswerten von AS Marketing in der Regel ab dem zweiten Monat. Wie lange es bis zum Auftrag dauert, bestimmt vor allem der Beschaffungsprozess der Zielkunden: bei kurzfristigem Bedarf wenige Wochen, bei Investitionsgütern mehrere Monate.
Wer mit diesen Zeiträumen plant, drei bis sechs Monate vor dem Bedarf beginnt und nach etwa drei Monaten anhand von Antworten, Anfragen und Angeboten bewertet, kann die Neukundengewinnung realistisch steuern.
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